Joyce Hübner läuft auf ihrem Städtetrip 495 Marathons am Stück, um innerhalb von 495 Tagen alle 2059 deutschen Städte zu passieren. Ich bin von Sassendorf bis Rullstorf gut 14 Kilometer mitgelaufen, also knapp ein Tausendfünfhundertsel dieser Strecke. Es war sicherlich eine der merkwürdigsten Begegnungen in meiner nun fast 20 Jahre langen Läuferkarriere.
Was ihr in meinem Artikel für die Landeszeitung und im Video meiner Kollegin Kathrin Bensemann erkennt: Joyce hat uns und alle anderen Begleiter einen Vormittag lang komplett wegignoriert, wie es eine Kommentatorin auf Instagram treffend formulierte. „Jeder neue, fremde Kontakt löst in mir eine Paniksituation aus. … Ich ziehe mich immer weiter zurück und verstecke mich, und das macht mich traurig. Denn das bin ich eigentlich nicht“, hatte sie ein paar Tage zuvor als Begründung geschrieben.
Montags bis mittwochs läuft sie daher nun allein oder mit ihren Buddys, donnerstags bis sonntags auch mit Gästen – auf Abstand. Sie spult flüssig ihre Kilometer durch die norddeutsche Tiefebene ab, an diesem Tag laufen wir kontant eine 5:40er-Pace. Mental sieht es offenbar ganz anders aus. „Von mir aus könnte es jetzt bald zu Ende sein“, gesteht sie in einer Verpflegungspause, in der sie sich doch zwei Minuten Zeit für die lokale Presse nimmt. Orte ziehen an ihr vorbei, Menschen ziehen an ihr vorbei. Ob sie das alles überhaupt noch notiert?
Nicht einmal zu einer Begrüßung der kleinen Mitläuferschar kann sie sich beim Start aufraffen. Nur schnell loslaufen und Etappe 433 hinter sich bringen, das scheint ihr Motto zu sein. Sehe ich mir ihre fröhlichen Bilder und Videos auf Instagram oder Youtube an, stelle ich fest, dass die Realität sehr wenig mit der Präsentation in den Sozialen Medien zu tun hat. Ein wirklich neue Erkenntnis ist das aber nicht.
Sportlich leistet sie Grandioses. Wenn alles gut geht, ist sie am 8. Oktober in Berlin am Ziel. Menschlich ist sie mir ein großes Rätsel geblieben.