Wenn ich für ein, zwei Tage irgendwohin fahre, ob nun beruflich oder privat, dann nehme ich in aller Regel meine Laufschuhe mit. Denn ein kleines Zeitfenster für eine lockere Runde gibt es fast immer. Und es ist auch etwas ganz anderes als die Stammrunde in der Heimat. Es schwingt ein bisschen Abenteuer mit, ein bisschen Forschergeist. Ab und zu habe ich mich auch schon fürchterlich verirrt oder verfluchte den Verkehr, den ich so nicht erwartet hatte. Aber meistens lohnt sich das Sightjogging. Weniger als Trainingseinheit, mehr als Erlebnis.
Jetzt war ich wieder unterwegs. Zwei Tage in Maaseik, gleich darauf zwei in Magdeburg. Die nordöstlichste Ecke Belgiens kenne ich ein bisschen, die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt dank des Studiums meines Jüngsten mittlerweile schon gut. Beide Reiseziele bieten recht flache Strecken, da hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Maaseik liegt im ländlich geprägten Limburg hart an der niederländischen Grenze, Magdeburg ist dagegen eine Großstadt. Wie finde ich da nur schöne Laufrouten?
In Maaseik ist das eigentlich, wie in ganz Belgien und den Niederlanden, recht einfach, wenn man das System mit den Knotenpunkten kennt. Mit diesen Knoppunten lassen sich ohne große Ortskenntnisse vor allem Radtouren entwerfen, in der Provinz lässt sich aber auch wunderbar laufen. Ich habe mir auf Nodemapp einen Account angeschafft, es gibt aber eine Reihe weiterer Seiten, auf denen bisweilen auch fertig Rundfahrten vorgeschlagen werden. Auf diesen Radwegen kann man, wenn sie nicht gerade mitten durch die Großstadt führen, auch wunderbar laufen.

Ich hatte das Glück, dass mein Hotel gleich bei Knoopunt 25 lag. Über 22 und 21 erreichte ich die niederländische Grenze, lief dann ein bisschen freestyle durch ein herrliches Landschaftsschutzgebiet und mit dem einen oder anderen Schlenker zurück. Die Runde bot Sonnenschein, Sturm, Regen, Hagel und sogar ein paar Flocken Schnee, aber vor allem Anblicke, die kein Autofahrer sieht. Tolle Wolkengebilde über der Maas, die hier über viele Kilometer die belgisch-niederländische Grenze bildet. Eine Marina, hübsche Gasthöfe und Kirchen. Und vor allem viel Natur.
Zwei Tage später, Magdeburg. Seit einigen Jahren bin ich immer wieder zu Besuch. Eine schöne Laufrunde habe ich aber lange nicht gefunden. Überall nur Straßen, viel Verkehr, Parks und Wälder weit weg. In der Jugendherberge wurde ich endlich fündig, dort gab es einen Flyer mit einer empfehlenswerten Wanderroute durch den nahegelegenen Rotehornpark. Der ist mit rund 200 Hektar viel größer, als ich dachte. Und wenn man sich immer am Lauf der Elbe orientiert oder an der Alten Elbe, kann man sich gar nicht verlaufen.
Die Magdeburger Volksstimme hat vor zig Jahren mal einige Laufrunden vorgestellt. Da in der Stadt gern und viel gebaut wird, ist das alles ohne Gewähr. Auch einige Gebäude im Rotehornpark, etwa die Stadthalle oder den Aussichtsturm, kenne ich eigentlich nur mit Bauzaun drumherum. Aber das macht ja auch das Abenteuer aus. Meine Runde beginnt am Hundertwasserhaus, führt am Dom entlang über die wunderschöne Hegelstraße Richtung Sternbrücke. Und auf der anderen Seite der Elbe beginnt schon der Park. Ich laufe über die Roterhornbrücke ein bisschen raus und über die Kaiser-Otto-Brücke wieder rein Richtung City, damit es etwas mehr als 10 Kilometer werden.
Meine Bilder stammen noch aus dem vergangenen Oktober. Damals habe ich mich sehr gewundert, dass kaum ein anderer Läufer unterwegs ist. Bis ich jetzt einmal sonntags unterwegs war. Da war die Läuferdichte bald so hoch wie in Hamburg an der Binnenalster. Mit dem kleinen Unterschied, dass viele nett grüßen oder zumindest freundlich nicken.
Auf beiden Runden habe ich praktisch nie auf meine Uhr geschaut, Tempo, Puls etc. waren mir herzlich egal. Meine Wettkämpfe im Winter habe ich allesamt wegen Krankheit oder Arbeit verpasst. Mal sehen, ob ich es jetzt am 12. April wenigstens nach Thomasburg schaffe. Aktuell fühle ich mich allerdings als Genussläufer einfach zu wohl.





















