23. Februar 2024

Ein Tag fürs Herz

Ach, ist das schön, erstmals seit vier Jahren wieder bei einem Teamevent mit dabei gewesen zu sein. Die vierte Lüneburger Heide-Staffel. Die dritte, die ich aktiv miterleben durfte. Meine eigene Etappe war wohl einer meiner unspektakulärsten Läufe aller Zeiten. Aber das Drumherum!

Ich will ja gar nicht so viel sabbeln. Im Liveticker der Landeszeitung haben meine liebe Kollegin Kathrin und ich den ganzen Tag lang eh sehr viele Eindrücke verarbeitet. Es gab manches Drama mit Happy End, zum Beispiel rund um die Blindenstaffel, denen vor der letzten Etappe plötzlich ein Guide für den letzten Läufer fehlte. Unser Stefan von den Düvelsbrook Dynamics übte mit Gerd 200 Meter und sprang dann ein.

Eine sehr emotionale Geschichte von vielen an diesem brüllend heißen Tag. Dass eine Staffel mit acht Menschen ohne Augenlicht (zwei mussten zwei Strecken übernehmen) trotz aller Widrigkeiten die 100 Kilometer in 10:15 Stunden bewältigt und dabei noch neun Teams hinter sich lässt – Respekt. Dass es überhaupt Menschen gibt, die bei fast 30 Grad diese Distanz allein laufen können – unglaublich. Wenn dann einer ins Ziel kommt, die ganze Zeit begleitet auf dem Rad von seiner krebskranken Frau und innig begrüßt von den beiden Töchtern, dann rührt das alle.

Die Staffelhelden Stefan und Gerd.

 

Mich hat aber auch der Teamgeist bei den Dynamics glücklich gemacht. Große Teile der Staffel waren immer wieder auf den Stationen zu sehen. Da hat niemand trotz der Temperaturen gekniffen, jeder hat jeden angefeuert. Und die gute Diana hat ihren Organisationsjob so toll hinbekommen. Wir haben bei manch anderer Staffel gesehen, was schief gehen kann, wenn niemand einen so tollen Job macht. Dann kann es auch passieren, dass ein Staffelläufer am Wechselpunkt vergeblich auf die nächste Läuferin wartet, die zehn Kilometer weiter durch die Straßen irrt.

Düvelsbrook Dynamics
Geschafft: Die Düvelsbrook Dynamics im Ziel.

 

Da weiß ich doch wieder, warum ich mich fast jeden Sonntag früh aufraffe, um gegen 9 Uhr mit dieser wunderbaren Gruppe durch den Wald zu laufen. Der Trainingseffekt kann es nicht sein, denn mein zweiter Lauf gegen die Uhr nach der Coronapause verläuft ähnlich ernüchternd wie der erste in Salzhausen.

Ich gehe viel zu optimistisch an, bin nach gut zwei Drittel meiner 8,9 Kilometer von Schwindebeck nach Bispingen fertig und schaffe den Rest noch irgendwie in einem deutlich langsameren Tempo. Schwamm drüber, ich übe weiter – die Zeiten selbst von 2019 werde ich nie wieder erreichen, auch wenn ich täglich zweimal trainieren könnte. Immerhin: 2018 habe ich mich bei dieser Staffel fürchterlich verlaufen, 2019 geriet ich in ein Unwetter. Ein ganz normaler Lauf ohne große Katastrophen ist da eine nette Abwechslung.

Fertig in Bispingen: Eine Stunde vorher sah ich noch etwas agiler aus…

 

Die Läuferin auf Kleinstniveau, wie sie sich schon 2017 extrem tiefstapelnd nannte, bewältigt hingegen ihr Teilstück von Oberhaverbeck nach Undeloh trotz aller Bedenken (Hitze, Durst, neue Hose, neue Mütze, Angst vorm Verlaufen, Angst vorm Umkippen, Angst vor einer grottenschlechten Zeit und noch 17 Dinge) mit Bravour. Ab ihrer Zielankunft können wir zwar mit müffelnden Klamotten und hungrig, aber doch entspannt den Rest der Staffel verfolgen.

Kurz mal im Zielbereich auf den Sülzwiesen vorbeischauen, danach lange duschen und viel essen – mein Plan wird schnell geschreddert. Wir schauen noch in Salzhausen und Südergellersen vorbei, warten im Ziel erst auf Diana, dann auf Stefan und Gerd und bekommen noch viel mehr glückliche Menschen zu Gesicht.

Einen Tag zuvor war ich nur beruflich beim Firmenlauf in Embsen. Da war es auch ganz nett. Eine tolle Party, die vielleicht den einen oder die andere dauerhaft zum Laufen führt. Mein Herz ging aber richtig bei dieser Staffel auf, die an einem Tag so viele Eindrücke lieferte. Und die Medaille ist ganz nebenbei wirklich hübsch.

 

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