5. Juni 2020

Kleiner Sport ganz groß

So vieles war bis vor einer Woche selbstverständlich für uns. Sich abends mit Freunden treffen, in die Kneipe, ins Theater oder ins Kino gehen, schöne Dinge einkaufen, reisen, wohin man will und was der Geldbeutel erlaubt. So vieles, was unser selbstbestimmtes Leben in einer freien Gesellschaft immer ausgemacht hat.

So vieles ist jetzt wegen Corona nicht mehr möglich. Auch oder gerade für Sportlerinnen, Sportler und ihre Fans. Als alles noch seinen gewohnten Gang zu gehen schien, wurde der erste Volkslauf abgeblasen, wurden Fußballspiele abgesagt, die Volleyballsaison beendet. Sehr bald ruhte auch der Trainingsbetrieb. Die Pilatesstunde war ebenso betroffen wie der Lauftreff.

Und plötzlich fällt uns auf, wie wichtig uns dieser Sport ist, wenn er eben nicht mehr selbstverständlich ausgeübt werden kann, sondern gar nicht mehr. Wichtig für Gesundheit und Fitness sowieso, gerade in Zeiten von Corona, wichtig aber auch fürs Gemüt, für den Austausch mit Gleichgesinnten, für das soziale Leben. Wenn man etwas nicht mehr hat, dann stellt man oft erst fest, wie wertvoll es für einen ist.

Kaum einer beklagt sich über diese massiven Einschränkungen. Alle arrangieren sich irgendwie mit der Lage, denn sie wissen, dass es zurzeit deutlich Wichtigeres gibt als den Sport. Alle hoffen, dass dieser Albtraum bald endet.

Wie desolat haben sich aber Teile des großen Glitzersports dargestellt? Das Internationale Olympische Komitee will mit aller Gewalt Sommerspiele in Tokio austragen. Die Formel 1 hangelt sich von einer Peinlichkeit zur nächsten. Dortmunds Chef Aki Watzke hält nichts von Solidarität mit ärmeren Fußballclubs. Und die Uefa zauderte viel zu lang, ehe sie ihre wahnwitzige Fußball-EM-Tournee durch zwölf Länder auf 2021 verschoben hat.

Diese EM wird im Sommer niemand wirklich vermissen. Die Erde würde sich auch ohne Olympia sehr gut weiterdrehen. Aber unser kleiner Sport, das erkennen viele jetzt erst dank Corona, der ist eine wirklich große und wichtige Sache.

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