21. Oktober 2020

Tough Mudder für 7 Euro

Warum tu ich mir das an? Warum tun sich das gut 600 andere auch an? Die Sinnfrage stellt sich vorm Wintervolkslauf des MTV Amelinghausen verschärft. So viel Matsch habe ich zuletzt 1974 beim legendären Wasserfußball-Halbfinale zwischen Deutschland und Polen gesehen. “Das wird richtig heftig heute”, warnen Meike und Uwe, die die Strecke zuvor präpariert hatten. Aber was soll man noch präparieren, wenn es seit vielen Stunden durchgehend geregnet hat?

Volkslauf oder Kneipp-Bad? Nach ein paar Kilometern wusste das niemand mehr so recht. Foto: Uwe Hoops

 

Ich werde ja genügsam. Immerhin stürmt es nicht ganz so stark wie angekündigt, sodass der kurze Abschnitt übers freie Feld fast noch erholsam ist. Hier, wenigstens hier ist der Weg asphaltiert. Ansonsten aber? Links und rechts ein Rinnsaal, der sich bisweilen in einen reißenden Strom verwandelt. In der Mitte Matsch, an den Seiten noch mehr Matsch. An den Schuhen, auf der Hose, bald sogar an der Jacke ganz viel Matsch.

Wo kann man sonst schon einen Tough Mudder für 7 Euro Startgeld erleben? Ich genieße es immerhin, mal nur als Läufer und nicht auch als LZ-Schreiberling am Start zu sein, habe aber auch so genug zu tun. In der Halle warten nämlich nicht nur meine Düvelsbrook Dynamics (meine Sonntags- und Mittwochs-Gruppe), sondern auch die Scharnebecker (meine Dienstags-Gruppe), und ich irrlichtere zwischen diesen beiden Gruppen hin und her, obwohl beide eigentlich 100 Prozent meiner Aufmerksamkeit verdient hätten.

Während des Rennens bleibe ich aber zumeist allein mit meinen Gedanken. Wenn man erst einmal richtig nass und schmutzig ist, das stelle ich schnell fest, dann ist einem irgendwann alles egal. Pfützen weiche ich auf den ersten Kilometern noch aus, ab Kilometer fünf marschiere ich nur noch durch sie durch. Irgendwann macht das alles sogar Spaß. Ich schaffe es, während des Laufs 21,1 Kilometer lang nicht ein einziges Mal auf die Uhr zu gucken – gutes Zeichen. Geschockt bin ich erst, als kurz vorm Ende des Lopausees eine derart durchnässte Passage auftaucht, die eigentlich nur gaaaaanz vorsichtig mit Gummistiefeln zu bewältigen ist.

Und das alles zweimal! Auf der zweiten Runde lichtet sich das Feld gewaltig, der Boden ist natürlich noch ein bisschen glitschiger geworden. Ich erreiche viele Minuten später als sonst das Ziel, die warme Halle, endlich die Umkleiden. Überall Dreck, Matsch, Schmodder – die armen Reinigungskräfte. Und trotzdem hat’s allen irgendwie doch Spaß gemacht. Nach dem Motto: Nach Amelinghausen 2020 kann uns nichts mehr wirklich schocken.

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