17. Oktober 2021

Wozu?

Exakt 15 Jahre ist es her. Nein, nicht mein letzter Blog-Beitrag, auch wenn es mir manchmal so vorkommt. Vielmehr startete ich zu meiner ersten Laufrunde am 1. Oktober 2006, wie mir meine Statistik auf der (längst offline gegangenen) Seite jogmap.de verrät. Knapp über fünf Kilometer in Lüneburg Richtung Ebensberg und zurück mit zig Pausen, jaja, ich fing wirklich fast bei Null an. Aber wo stehe ich jetzt nach mehr als eineinhalb Jahren Wettkampfpause?

In diesen 15 Jahren ist viel passiert. Ich teile mein Laufleben in drei Phasen ein. Von meiner ersten Runde an bis zu meinen tollsten Rennen 2013 in Düsseldorf und Oldenburg bin ich immer ein bisschen schneller geworden. Kein Wunder, wenn man als total kurzatmige Schnecke beginnt und sich dann ganz langsam steigert.

Dann begann die Phase des zunehmend verzweifelten Kampfes gegen das Alter. Mit einigen Siegen über mich selbst wie 2015 in einem Ort mit dem wunderschönen Namen Ofen, aber mit umso mehr Niederlagen, die ich jetzt hier gar nicht verlinken mag. Zwei allzu ehrgeizig angegangene Marathon-Läufe in Leipzig und Bremen habe ich fürchterlich in den Sand gesetzt. Ich bemühte mich um ein etwas entspannteres Verhältnis zum Laufen, aber oft gingen alle Lichter der Erkenntnis wieder aus, sobald ich eine Startnummer auf den Bauch gepappt habe.

Nun also Phase drei, die vielleicht schon vor fast exakt vier Jahren in Traisa, endgültig aber am 23. Februar 2020 begonnen hat. Mit dem Matschfestival in Amelinghausen – wer dabei war, wird diesen Lauf nicht vergessen. Mit einem Lauf, der mein vorletzter Test vor meinem allerersten Landschafts-Marathon sein sollte, der natürlich nicht stattfand. Corona! Das Thema war an diesem 23. Februar noch weit weg, in China, schon ein bisschen in Italien. Dass mein 128. Lauf (vom City-Marathon bis zum Dorflauf) erst einmal mein letzter sein würde, hätte ich damals noch nicht geahnt.

Mein Blick auf Deventer – ganz tapfer am Sonntagmorgen.

 

Phase drei also. Eine Phase ohne Trainingsplan und ohne Wettkämpfe, ohne sportliche Ziele und leider auch monatelang ohne die lieben Leute vom Lauftreff. Allmählich kehrt die Normalität zurück. Ich könnte wieder gegen die Uhr laufen, verspüre im Augenblick aber gar keine Lust. Tempoeinheiten? Intervalle? Wozu? Lieber stehe ich trotz einer kurzen Nacht morgens um acht mitten in der niederländischen Provinz auf, weil ich einfach riesige Lust habe, die Natur dort zu entdecken und Kürbisse zu fotografieren. Bin ich jetzt endgültig ein Genussläufer?

Irgendwann werde ich mich sicher doch wieder aufraffen, um zum 129. Mal gegen die Uhr zu laufen. Gegen die Uhr – oder einfach nur für das Erlebnis? Und der Marathon an der Deutschen Weinstraße läuft mir hoffentlich auch nicht weg. Der findet laut Homepage schon in 191 Tagen statt. Demnach müsste ich in exakt 100 Tagen richtig in die Vorbereitung einsteigen, um noch einen 13-Wochen-Plan durchziehen zu können.

Vorstellen kann ich es mir noch nicht. Aber konnte ich mir am 1. Oktober 2006, irgendwann kurz vor dem Zusammenbruch, vorstellen, wieviel mir das Laufen in den nächsten Jahren noch geben würde?

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