12. August 2022
Thomasburg

Eigentlich will ich nur laufen

Zu meinem ganz persönlichen Unwort der Jahre 2020 und 2021 küre ich hiermit offiziell den Begriff „eigentlich“. Ein nur auf den ersten Blick harmloses Adverb, das doch meine vergangenen beiden Laufjahre perfekt beschreibt – und das vieler Mitstreiter sicher auch. Eigentlich wollte ich ja hier und da an den Start gehen. Eigentlich wollte ich ja regelmäßig mehr für die Kondition, das Tempo oder die Beweglichkeit tun. Und eigentlich würde ich mich jetzt auf dieses tolle Laufevent vorbereiten, wenn nicht…

Zu heiß, zu kalt, zu nass, zu windig

Ja, wenn nicht Corona dazwischengekommen wäre. Ganz genau kann ich mich noch ans Frühjahr 2020 erinnern. Der Schiffshebewerk-Volkslauf in Scharnebeck Mitte März sollte mein letzter Formtest vor meinem allerersten Landschaftsmarathon an der Deutschen Weinstraße sein. Das Ende vom Lied: Scharnebeck wurde ein paar Tage vorher abgesagt, der Marathon dito. Okay, das Gesündeste an einem Marathon soll eh die Vorbereitung sein.

Während in der Zeit des ersten harten Lockdowns halb Deutschland das Laufen angeblich für sich entdeckte, schoss meine Motivation erst einmal in den Keller. Keine Wettkämpfe vor der Tür, keine Kumpels vom Lauftreff, die einen antreiben, kein gar nichts. Eigentlich wollte ich immer in der nächsten Woche mal wieder richtig durchstarten. Eigentlich. Aber es kam immer etwas dazwischen. Es war zu heiß, zu kalt, zu nass, zu windig, zu viel bei der Arbeit zu tun und so weiter.

Hygienekonzepte, verwirrender als Dostojewski

Ich bin wenigstens nicht allein mit diesen Problemen. Mein Lauftreff ist mittlerweile wieder so gut besucht wie vor zwei Jahren, immerhin. Aber für die Runde durch Wilschenbruch benötigen die meisten inklusive meiner Wenigkeit bestimmt fünf Minuten mehr als damals. Unsere Gespräche drehen sich nicht mehr um große sportliche Ziele, sondern um die diversen Zipperlein und die zusätzlichen Kilos, die sich angesammelt haben.

Wozu auch schnell rennen? Fast zwei Jahre pappte keine Startnummer mehr vor meinem Bauch. Es gab Veranstaltungen, gewiss. Mit Slots für einen Start um 12.42 Uhr allein oder in einer kleinen Gruppe, um bloß niemandem in die Quere zu kommen. Mit einem Hygienekonzept, so lang wie ein mittlerer Dostojewski-Roman, nur verwirrender. Ohne die Dusche, den Imbiss oder den Kaffee danach, um mit anderen über Gott und die Laufwelt zu klönen. Wozu sonst gehe ich doch zu einen Volkslauf? Drei, vier Leute wollen gewinnen, der Rest will seinen Spaß.

Long Covid? Long Faulheit!

Mittlerweile hatte mich eine wirklich heftige Verletzung sowie einige Male der Männer-Schnupfen ereilt. Das alles fühlte sich wie Long Covid an, war aber doch eher der klassische Fall von Long Faulheit. Eigentlich steht jetzt im April wieder der wunderbare Weinstraßen-Marathon an. Der findet fatalerweise nur alle zwei Jahre statt – will ich wirklich bis 2024 warten? Aber davon, jetzt mehr als 42 Kilometer am Stück zu laufen, bin ich ungefähr so weit entfernt wie von einem Sonnenbrand im norddeutschen Januar.

Was hilft? Eigentlich müsste ich mir dringend mal neue Laufklamotten kaufen. Die alten Hemdchen und Jacken sind inzwischen alles, nur nicht mehr atmungsaktiv. Und vor allem: Es kneift mittlerweile an allen Ecken und Enden. Und das sicher nicht, weil ich die Sachen zu heiß gewaschen habe.

(Artikel erschien am 31.1.2022 auf www.landeszeitung.de/sport)

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