Ich fühl’ mich so Endmoräne

thomas

Ein Zehner sollte für einen erfahrenen Laufcrack doch das einfachste Ding der Welt sein. Ich bin auch gut neun Jahre nach meinem ersten Zehner immer noch ein blutiger Anfänger auf dieser Distanz, wie ich jetzt wieder beim in Thomasburg leidvoll erfahren musste. Was eine Endmoräne ist, habe ich irgendwann im Erdkunde-Unterricht vielleicht erfahren, doch schnell wieder vergessen. Bis der sechste Kilometer des Junkernhof-Laufs mich fast in die Knie zwang.

Guter Dinge passiere ich Thomasburg-City - aber da habe ich ja auch noch neun Kilometer vor mir. Foto: Michael Behns

Guter Dinge passiere ich Thomasburg-City – aber da habe ich ja auch noch neun Kilometer vor mir. Foto: Michael Behns

Fünfmal bin ich in Thomasburg schon die lange Runde über gut 17 Kilometer gelaufen. Sie führt in die Breetzer Berge, von Kilometer 5 bis 8 geht es dabei langsam, aber stetig bergauf. Diesmal wähle ich die kurze Runde, in der irrigen Annahme, dass diese leichter wäre. Mich hätte ja stutzig machen können, dass die Kurzstrecke laut Ausschreibung mit fast ebenso vielen Höhenmetern glänzt wie die Langdistanz. Aber nein, ich renn’ erst mal los. Schüler des benachbarten Internats Marienau preschen voran, der erste von ihnen bleibt nach 800 Metern mit hochrotem Kopf stehen. Noch nie was von Einteilung eines Rennens gehört, denke ich prahlerhaft.

Bei Kilometer 3 stelle ich fest, dass auch ich hoffnungslos zu schnell angegangen bin. Bis Kilometer 5 trotte ich trotzdem lustig vor mich hin. Bis zur Gabelung, an der die Langstreckler den schon erwähnten Breetzer Bergen entgegenlaufen müssen und wir Kurzstreckler… Ja, was kommt denn jetzt? Hätte ich mal vorher aufs Streckenprofil geguckt.

Dann hätte ich gesehen, dass uns auf Kilometer 6 ein einziger Anstieg den Weg zurück nach Thomasburg versperrt. Ein Anstieg? Ein Berg, eine Wand! Eine Endmoräne halt, wie ich später auf Wikipedia lese. Schutt, den hier irgendjemand am Ende der Eiszeit aufgetürmt, aber nicht entsorgt hat. Ich lauf’ schon ein ganzes Weilchen hinter einer gelben Jacke her und denke in völliger Verkennung meiner Bergauflauf-Fähigkeiten: Komm’, vielleicht sollte ich auch mal ein bisschen Führungsarbeit leisten. Kaum bin ich auf Höhe der gelben Jacke, fühlt sich deren Träger offenbar provoziert und schaltet einen Gang höher. Gut, der Kerl ist nicht nur 20 Jahre jünger als ich, sondern mindestens ebenso viele Kilos leichter. Und irgendwann muss dieser Berg ja auch mal enden.

Seit längerem hege ich ja schon den Verdacht, dass alle Ausrichter von SALAH-Cup-Läufen in einem Geheimabkommen vereinbart haben, die kleinen und großen Gemeinheiten grundsätzlich in die zweite Hälfte der Strecke zu legen. Dem Berg folgt ein Kopfsteinpflasterweg, auf dem mich jede Sehne in der Wade einzeln grüßt und fragt, was der Scheiß hier eigentlich soll. Auf das Kopfsteinpflaster folgt der Feldweg, auf dem es grundsätzlich stürmt, diesmal sogar ein paar Körner hagelt. Und auf den Feldweg folgt der letzte klitzekleine Anstieg zurück zum Sportplatz, auf dem meine linke Wade Lothar-Matthäus-mäßig richtig zumacht. Ziel – und ich muss mich erst einmal gegen das Sportplatz-Geländer lehnen, um nicht mit einem Wadenkrampf als Andenken nach Hause fahren zu müssen.

Ein Zehner ist das einfachste Ding der Welt? Gewiss doch. Ich übe das alles nochmal in zwei Wochen in Bad Bevensen…

2 Kommentare

  1. Blumenmond

    Ich fand ja 10er schon immer “bäh”. Viel zu schnell und wenn dann noch ne Endmoräne kommt.. neee, kein Wunder, dass Du da platt bist.

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  2. Dietmar

    :-) Schöner Bericht. Da bin ich ja froh, das mein letzter 10er so gut lief. Wobei ich kommenden Samstag in Weinheim auch mit einigen Höhenmetern zu kämpfen habe… Allerdings gut verteilt.
    Dietmar

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