Für ein ruhiges Gewissen

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Laufen an sich ist ja ein umweltverträglicherer Sport als zum Beispiel Formel 1 oder Skispringen. Und am 8. September werde ich am ersten klimaneutralen Volkslauf Lüneburgs teilnehmen, am Tiergartenlauf des MTV Treubund. Haben sich alle Teilnehmer verpflichtet, mit dem Fahrrad anzureisen, barfuß zu rennen und als Verpflegung nur Früchte aus dem Wald zu sich zu nehmen? Viel besser: Möglich macht’s der Namenssponsor der Veranstaltung, der Energieversorger E.ON Avacon.

Hurra, wir laufen klimaneutral...?

Hurra, wir laufen klimaneutral…?

Zitieren wir mal aus der Pressemitteilung:

Wie schon im Vorjahr sponsert auch diesmal die E.ON Avacon Vertrieb GmbH diese größte breitensportliche Laufveranstaltung im Landkreis Lüneburg und macht den Lauf erstmals klimaneutral. Denn E.ON gleicht in Zusammenarbeit  mit einem Hamburger Klimaschutzunternehmen alle im Rahmen des Laufes anfallenden CO2-Emissionen aus. Durch die Unterstützung eines Klimaschutzprojektes zum Einsatz effizienter Kocher in Ghana wird der beim 43. Tiergarten-Volkslauf entstehende CO2-Fußabdruck so vollständig kompensiert.

Wer will dagegen schon etwas sagen? Vor drei Jahren schon verkündete die E.ON ihr neues Motto Cleaner & Better Energy. Die aktuelle Image-Kampagne mit vielen mehr oder weniger jungen und schönen Menschen, die sich Gedanken um die Umwelt machen, triefen geradezu vor Altruismus. Wie schmutzig wäre diese Welt ohne E.ON?

Dann denke  ich aber auch an den Atomstrom, an dem vor allem die E.ON festhalten will, an Klagen gegen den Atomausstieg und die Brennelementesteuer, an eine 553-Milliarden-Geldbuße durch die EU wegen unzulässiger Marktabsprachen, an Oligopol-Vorwürfe, an einen Jahresgewinn in Höhe von 2,641 Milliarden Euro, während alle über die hohen Strompreise stöhnen. Kurzum: Die E.ON hat durchaus ein Imageproblem.

Ich gönne Ghana jeden Brunnen und jeder Volkslaufveranstaltung ihre Unterstützer, denn es ist ja wichtig und richtig, dass sich Sponsoren auch noch für einen Sport finden, bei dem keine Tore geschossen werden. Aber ich beruhige mein ökologisches Gewissen lieber mit konkreten Maßnahmen. Ich werde tatsächlich das Rad benutzen, trage Klamotten aus deutscher Produktion mit günstiger Öko-Bilanz oder aus zweiter Hand. Nur die Schuhe, die bereiten mir doch Kopfschmerzen. Wenn mir die Lunge-Treter aus mecklenburgischer Produktion doch passen könnten…

Foto: Andreas Tamme

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