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adendorf

Kann ich nicht einfach mal Schuhe anziehen, starten, laufen, ins Ziel kommen, duschen, nach Hause fahren – und alles ist gut? Kann ich nicht einmal einfach nur an einem Volkslauf teilnehmen, ohne darüber im Anschluss Hunderttausende von Worten zu verlieren. Nein, ich kann es nicht. Denn irgendetwas ist immer, wenn sich irgendwo in der Pampa ein paar Läufer zu einem kleinen Wettstreit verabreden. Und wenn ich einfach nur so einen klitzekleinen Trainingslauf einlegen will, dann klappt das sowieso nicht.

Augen zu und nicht durch: Die erste große Pfütze umkurve ich noch - Alex (vorn) besitzt schon die Frechheit, sich allmählich abzusetzen. Foto; Kerstin Thomas

Augen zu und nicht durch: Die erste große Pfütze umkurve ich noch – Alex (vorn) besitzt schon die Frechheit, sich allmählich abzusetzen. Foto; Kerstin Thomas

10.00 Uhr: Start in Adendorf, 10,1 Kilometer. Damit ich in dieser Woche überhaupt mal auf ein paar Kilometerchen komme, will ich den Hin- und Rückweg, jeweils gut 4,5 Kilometer, zum Ein- und Auslaufen nutzen.

7.45 Uhr: Ich stehe auf. Es regnet ein bisschen.

8.00 Uhr: Es gießt. Kann mich meine Liebste nicht wenigstens nach Adendorf hinbringen? Hm, der Regenradar sagt: Gegen kurz vor 9 Uhr soll es trockener werden.

9.00 Uhr: Es ist tatsächlich trockener geworden. Weil es aber auch gestern geschüttet hat, ziehe ich meine ältesten Laufschuhe an, die ich eigentlich schon entsorgen wollte.

9.30 Uhr: Ankunft in Adendorf. Weil ich nichts mehr hasse als die Vor-Start-Hektik, habe ich Streber mich schon vor Tagen angemeldet und bezahlt, darf mich jetzt in die kürzere Schlange einreihen, Startnummer und Transponder für die Zeitmessung abholen.

9.31 bis 9.45 Uhr: Ich rede mit Regina und Torsten, Maik und Jens, Gott und der Welt, hefte meine Startnummer ans Shirt und will meinen Transponder an den Schuh… Wo ist eigentlich mein Transponder???

9.45 bis 9.55 Uhr: Der Transponder ist nicht in meinem Laufrucksack, nicht in der Tasche meiner Laufhose, liegt nirgendwo herum, ist von niemandem abgegeben worden. Panik! Und nun?

9.55 bis 9.59 Uhr: Ich lasse mir zum 17. Mal erklären, wozu dieser Transponder denn gut ist, kaufe zähneknirschend für 6 Euro eine neue Startnummer mitsamt Chip, renne schnell zur Gepäckabgabe, renne zurück zum Start.

10.00 bis 10.46 Uhr: Ich laufe. Keine besonderen Vorkommnisse.

11.00 Uhr: Einer von der Organisation drückt mir 6 Euro in die Hand. “Der Transponder hat sich wieder angefunden. Mitten auf der Strecke. Jemand hat ihn dann bei uns abgegeben.” Mitten auf der Strecke? Hä?

11.30 Uhr: Lockeres Auslaufen nach Hause. Locker? Nach zwei Dritteln lege ich Gehpausen ein. Mein Blutdruck ist wieder mal im Keller gleich zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfB Stuttgart. (Für Fußball-Laien: Das sind die beiden Bundesligisten, die nach fünf Spielen immer noch keinen Punkt auf ihrem Konto haben, was für Fußballclubs deutlich schlechter ist als für Autofahrer.)

17.24 Uhr: E-Mail aus Adendorf. “Beim nächsten Mal wird ein Kabelbinder gestellt, damit der Chip am Schuh des Sportreporters hält.” Ich habe doch gar nicht… Ach, es ist sinnlos.

3 Kommentare

  1. Frau Mohr

    Wuuuh – bei der Überschrift hab’ich mich schon erschrocken und dachte, du willst das Bloggen aufgeben ;)
    Ja, irgendwas ist immer zu erzählen. Ich kenn’ das Problem ;)

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  2. Blumenmond

    Ein Glück, dass es immer was zu erzählen gibt, sag ich mal so rein egoistisch gesehen. Und wenn es ein verloren gegangener Transponder ist – bei mir wäre das ne Gähn-Geschichte, bei Dir klingt das nach Achterbahn. Danke:-)

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  3. Christiane

    Kicher… Da ist der Transponder wohl schon mal die Strecke checken gegangen. :)
    Der Bericht des eigentlichen Laufs ist ja eher kurz… ;) Coole Zeit übrigens!

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