Partygeschnatter

doetinchem

Irgendwann hat es sich zum Running Gag der deutsch-holländischen Geburtstagsparty entwickelt. “Das ist Saffti. Der läuft Pfingsten von Hamburg nach Rotterdam”, stellt die Gastgeberin mich einem Gast nach dem anderen vor. “Sie will nur mit mir angeben”, kontere ich. Sonderlich beeindruckt wirkt ohnehin sonst niemand von meinem Vorhaben, zumal ich beim Roparun ungefähr sieben Achtel der Strecke nicht laufend bewältigen werde. Schnell drehen sich die Partygespräche wieder um alles mögliche von Heimatliedern in Rees-Haldern bis zur Dauerkrise von Ajax Amsterdam, nur nicht um mein Laufen. Wie doof – oder?

Erst vor kurzem schaute Lauffreundin K. bei mir auf der Arbeit vorbei. Sie hatte sich im vergangenen Jahr in Lüneburg etwas rar gemacht, lief lieber bei irgendwelchen Meisterschaften von Hamburg bis ins tiefste Emsland mit, statt sich bei den hiesigen Volksläufen blicken zu lassen. Also tauschten wir im Schnelldurchgang unsere Lauferlebnisse vom Alsterlauf bis zum Marathon aus, ehe sich mein nicht laufender Kollege M. ins Gespräch einschaltete: “Sag mal, arbeitest du noch bei XY?” Das Gespräch drehte sich plötzlich um ganz andere Dinge. Und mir wurde klar, dass K. doch noch ein Leben jenseits der Laufstrecken dieser Welt hat.

Aber auf der deutsch-holländischen Geburtstagsparty: Keinen Gedanken verschwende ich ans Laufen. Und es wird trotzdem ein unterhaltsamer Abend. Bei Aufräumen erzählt mir meine Gastgeberin ganz nebenbei, dass einer ihrer anderen Gäste übrigens auch Marathon läuft. Der hat sich natürlich schon längst verabschiedet – schade. Ein potenzieller Gesprächspartner, der vielleicht auch den Midwinter-Marathon von Apeldoorn kennt, ganz bestimmt den Halve Marathon von Doetinchem, auf dem ich 2015 eingegangen bin wie eine Primel, mir erzählen könnte, ob sich denn ein Start beim Enschede-Marathon lohnt und so weiter und so fort.

Aber nein, der holländische Läufer hat sich wohl ebenso wie ich ganz ohne einen Gedanken ans Laufen gut unterhalten. Vielleicht ist er ja etwas früher aufgebrochen, weil er am nächsten Tag eine lange Runde drehen will. Vielleicht ist er seinen letzten Marathon ja auch schon vor zehn Jahren gelaufen und ist wegen chronischer Knieschmerzen auf Dart umgestiegen? Ich werde es nie erfahren. Und er wird niemals meine Anekdoten von Läufen zwischen Rotterdam und Berlin zu hören bekommen. Wir beide werden es verkraften können.

Es gibt ja auch die Leute in meinem Lauftreff. Aber die kennen inzwischen ebenso jeden Stolperer von mir auf irgendeiner SALAH-Cup-Strecke, wie ich ihre Triumphe und Tragödien kenne. Also unterhalten wir uns in aller Regel über alles mögliche, nur nicht übers Laufen. Das wird sich bestimmt ändern – spätestens, wenn viele für den Hamburg-Marathon oder ein anderes Highlight trainieren. Allen Nichtläufern kann ich aber versichern: Wir haben auch andere Interessen. Man muss uns nur mal freundlich fragen.

 

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