Sportlernahrung

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Der Schiedsrichter pfeift die erste Halbzeit ab. Pause – Zeit auch für die Zuschauer, sich zu stärken. An den Buden gibt es heute Tofu-Paprika-Spieße mit Kichererbsen-Dip sowie knusprige Brotecken in Olivenöl. Der Waldbeeren-Cocktail muss leider aus Sicherheitsgründen in Plastikbecher geschüttet werden, weil . . .

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Okay, das war nur ein Traum. Für die meisten Fußballfans ein Albtraum, den die wollen eine Bratwurst und ein Bier. Oder ein Nackensteak, das Stück Fleisch, das man mit ordentlich Marinade auch noch Wochen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums gut an den Mann bringen kann. Je salziger, um so besser auch für den Bierumsatz. Wer den Sangeskünsten von auswärtigen Fans beispielsweise aus Göttingen oder Meppen lauscht, der kann hundertprozentig sicher sein, dass die ihren Durst auf der Hinfahrt nicht mit Milch vom Demeter-Bauernhof gelöscht haben. Hingegen habe ich noch nie einen Anhänger erlebt, der sich im Stadion am Bratwurststand nach der Herkunft des verarbeiteten Fleisches erkundigt – obwohl es dort vielleicht gerade besonders nötig wäre.

Und sage mir niemand, dass nur die Fußball-Anhänger so unglaublich ernährungsbewusst sind: Bockwurst und Burgunderbraten sind das Grundnahrungsmittel von Eishockeyfans, Handballer bevorzugen hingegen vor Fett triefende Frikadellen und helle Brötchen, dick mit Wurst vom Aldi belegt. Pommes gehen auch immer. Hauptsache, man kann die Kartoffelstäbchen auch in ordentlich Ketchup oder Majonäse ertränken. Irgendwie muss man es doch schaffen, den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Kalorien innerhalb eines Sportereignisses zu decken.

Okay, mögt ihr jetzt einwerfen, zu den Grundrechten des Menschen gehört es halt auch, sich an jedem zweiten Wochenende außerordentlich schlecht zu ernähren und sich bisweilen ordentlich einen auf die Lampe zu gießen, solange er dem sportlichen Treiben nur zusieht. Doch viele der „Sportler“ sind ja auch nicht besser. Zur Legende geworden ist da der Ausspruch eines Adendorfer Altherren-Kickers, der bei den Herren aushelfen musste und sich alsbald vor Erschöpfung hinsetzte. Mit der Begründung: „Mensch, ich hab‘ doch schon ein Kotelett gegessen.“

Ganz anders drauf sind dagegen viele Ausdauersportler, die in ihrer heißen Trainingsphase, also elfdreiviertel Monate pro Jahr, Proteine und Mineralstoffe mit der Apothekerwaage abmessen und jedes Gummibärchen zu viel mit einer halben Extrastunde Intervalltraining wieder abtrainieren. Nur im Ziel nach dem City-Marathon oder Ironman lassen die Asketen die Sau raus, gönnen sich auch mal ein Stück Kuchen oder beißen gar beherzt einmal von der Bockwurst ihrer Liebsten ab. Und literweise fließt dort das Weizenbier. Alkoholfreies, selbstredend.

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