Was für ein Theater

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Göttingen mal wieder. Zum dritten Mal habe ich in meiner alten Heimat beim Altstadtlauf mitgemacht. Zum ersten Mal erlebe ich dabei Start und Ziel auf dem Theaterplatz statt am Gänseliesel mit. Durchaus anstregend, sechsmal den kleinen, aber fiesen Anstieg Richtung Theater bewältigen zu müssen – aber extrem stimmungsvoll. Göttingen hat sich also gelohnt, zumal ich mal wieder meinen Körper und insbesondere seine Grenzen kennengelernt habe.

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Der Lauf ist extra um einen Tag vorverlegt worden, damit er nicht mit dem deutschen Fußball-WM-Spiel gegen Südkorea kollidiert. Im Nachhinein hätte sich wohl mancher Fan gewüscht, dass er lieber zum Zeitpunkt des grandiosen Kicks gelaufen wäre… Wie auch immer: Die Veranstalter haben wieder einen fantastischen Job gemacht. Ich platze vor Neid, weil eine solche Veranstaltung mit gut 4500 Aktiven in Lüneburg leider wohl nie möglich sein wird, solange noch ein Stadtbus umgeleitet oder ein Lieferwagen angehalten werden müsste.

Ich gönne mir diesmal auf der Bahntour von Lüneburg nach Mainz nur ein paar Stunden Göttingen, finde aber die größten Wahrzeichen wie das Gänseliesel, die Tangente oder meine alte Lieblingsbäckerei in der Jüdenstraße an unverändertem Platz vor. Schön, dass man sich noch auf etwas verlassen kann. Aber kann ich mich auf meine Form verlassen?

Sechs Runden à zirka 1,65 Kilometer stehen an. Und ich nehme mir vor, diesmal besonders vorsichtig anzugehen. Wie eigentlich immer. Wie aber auch fast immer gehe ich doch wieder zu schnell an und bereue es in der vierten Runde. Zwischen Theater und Stadthallen-Parkplatz (wo ich als armer Student einst allzu oft 5 Mark oder mehr für Falschparken berappen musste) bekomme ich plötzlich kaum noch Luft und muss mich kurz danach beim Getränkestand stehenbleiben, um einem Krampf vorzubeugen.

Immerhin überrunde ich trotzdem den Vorjahressieger. Der Held, neunmal schon beim Altstadtlauf siegreich, hat die Berglauf-WM in den Knochen, lässt sich zwar vorm Start cool interviewen, setzt sich danach aber klammheimlich in einen Bollerwagen, um sich von seinen Kollegen ziehen zu lassen. Nette Aktion! Nächstes Jahr darf er mich dann wohl wieder überrunden.

Runde fünf und sechs bekomme ich wieder halbwegs vernünftig hin, ziehe am letzten Anstieg vorm Theater sogar noch ein bisschen an und ernte damit sogar noch ein bisschen Mitleidsapplaus von mindestens zwei Zuschauern. Puh, halbwegs glücklich durchgekommen. Ich checke meine Zwischenzeiten und lese eine 21:46 nach fünf Kilometern. Uff. Das sind ungefähr 44 Sekunden weniger als geplant. Nun wird mir erst recht klar, warum ich mir eine kleine Krise gegönnt habe. Das richtige Einteilen werde ich wohl auch in der Altersklasse M80 noch nicht gelernt haben.

Kurz nach 21 Uhr bin ich im Ziel, kurz nach 22 Uhr geht schon mein Zug nach Mainz. Schade, dass ich nicht noch ein bisschen mehr Atmosphäre mitnehmen und die obligatorische Pizza auf dem Wilhelmsplatz futtern kann. Aber ich komme bestimmt wieder!

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