Einfach nach vorn gucken

„Manchmal gibt es auch Tage, die ziemlich doof sind“, hatte mir eine sehr talentierte Triathletin kurz zuvor in den Block diktiert, „dann lege ich mal einen Ruhetag ein – oder ich gucke einfach nach vorn.“ Hatte ich manchmal nach ein paar hundert Metern Laufen Lust, einfach stehen zu bleiben? Ja. Bin ich jemals stehen geblieben? Nein – aber das macht ja auch sonst niemand. Bei einem Volkslauf einfach nach der ersten Kurve aufgeben. Drüber nachgedacht habe ich jetzt beim Deichlauf in Hohnstorf. Aber wirklich nur ganz kurz.

Wir Düvelsbrooker haben wieder einen Obstkorb als zweitgrößte vorangemeldete Gruppe, wenn ich das richtig verstanden haben, gewonnen. Zumindest beim Umziehen und beim Sprint zum Kuchenbüffet war ich der Schnellste.

Zwei Wochen ist gerade erst mein Marathon her. Ein, zwei Stunden länger hätte ich auch schlafen können. Und dazu droht es schon wieder, wie so oft am Elbdeich, schwül-warm zu werden. Herr, wirf Motivation vom Himmel!

Nach ein, zwei Kurven merke ich endgültig, dass nicht so sehr meine Motivation im Keller ist, vielmehr der Blutdruck. Darf ich es wirklich wagen, bei tropischen Temperaturen von fast 20 Grad höllische 10,6 Kilometer mit bestimmt ungefähr 10 Höhenmetern (auf der ganzen Strecke, nicht pro Kilometer!) anzugehen? Ich denke an die Triathletin und gucke nach vorn.

Da sehe ich die malerische Strecke, rechts die Elbe und Lauenburg, links ein paar hübsche Höfe und Gärten. Vor mir nach drei Kilometern eine Schafherde. Einige von diesen knuffligen Wesen schauen uns sogar neugierig zu. Die meisten tun das, was Schafe am liebsten tun: grasen. Die werden niemals Motivationsprobleme haben oder sich denken: heute mal einen leckeren Chefsalat mit Schafskäse, das wär‘ doch mal eine schöne Abwechslung.

Die 10,6 Kilometer in Hohnstorf haben leider die unangenehme Eigenschaft, dass die zweiten 5,3 Kilometer gefühlt dreimal länger dauern als die ersten. In der Feldmark sorgt die Feuerwehr für Erfrischung, bei Kilometer neun kassiere ich noch einen Läufer von der IGAS Wendland. Ansonsten passtiert gar nichts, außer, dass es pro Kilometer ungefähr 1,75 Grad wärmer wird.

Ich spule die letzten paar Meter im Wald ab, freue mich, dass mich ein junger Läufer auf den letzten Metern vor der Kurve Richtung Ziellinie anfeuert (er stellt sich später als der Gesamtsieger heraus – ein sehr feiner Zug von ihm, sich noch an die Strecke zu stellen, statt sich feiern zu lassen). Ziel. Hurra, ich bin exakt 0,1 Sekunden schneller als im Vorjahr. Damals allerdings, das fällt mir erst einen Tag später ein, trabten wir die ersten paar hundert Meter in der Gruppe bis zur Ampel, weil der Übergang nicht abgesperrt werden konnte.

Erstaunlich kurz nach mir schießt die Läuferin auf Kleinstniveau ins Ziel, die sich und mich eigentlich schon auf eine frühe Aufgabe eingestellt hatte – doch ihre lädierten Füße hielten prima durch. Wer aber eine Bergziege ist und den Wald liebt, der wird nicht unbedingt der größte Fan des Deichlaufs. Großer Fan des Hohnstorfer Kuchenbuffets ist sie aber ein halbes Stündchen später definitiv geworden,

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