Etwas extrem in der Länge

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Über die Magie der 42.195 Meter haben sich bestimmt schon weit mehr als 42.195 Autoren ausgelassen. Aus dieser riesigen Zahl an Erfahrungs- und Leidensberichten hat Werner Irro, Journalist und Lektor, jetzt die Perlen herausgesucht. Helden der Laufgeschichte von Emil Zátopek bis Anna Hahner sind in diesem Lesebuch ebenso vertreten wie Menschen, die sich einfach in Hamburg oder Berlin mit der Masse treiben lassen, gute oder auch schlechte Erfahrungen dabei sammeln. Der rote Faden der Geschichten: Ob man nun knapp über zwei Stunden für die Marathonstrecke braucht oder vier – es zählt vor allem die Hingabe.

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Wer hat nur diesen Einband entworfen? Gelb auf pink, das tut weh in den Augen und lässt ganz nebenbei darauf schließen, dass wieder jemand ein Ratgeber-Bändchen für den modernen Läufer verbrochen hat. Dabei geht es Autoren ganz im Gegenteil darum, der “Performancefalle”, wie Hajo Schumacher das Phänomen treffend nennt, zu entkommen. Ob nun Emil Zátopek, Abebe Bikila oder die Laufpionierin Kathrine Switzer zu Wort kommen – ihre Erzählungen enthalten vor allem die Erkenntnis, dass die Freunde am Laufen ebenso wichtig ist die Demut vor der Strecke. “Ein Marathon ist schon etwas extrem in der Länge”, wusste Zátopek.

Noch grundsätzlicher werden die Gedanken, wenn die Autoren die klassische Marathonstrecke und die Stadt verlassen, einfach über das Laufen an sich philosophieren oder sich Abenteuern wie dem Badwater-Ultramarathon stellen. Der Leser ahnt, dass der Kopf dort eine noch entscheidendere Rolle als die Beine spielen. Und er kommt wirklich ins Grübeln, wenn Christopher McMougall über die Tahahumara schreibt, ein mexikanischer Volksstamm, der nie vergessen hatte, “wie es sich anfühlte, wenn man das Laufen liebte”. Seine Story heißt “Born to run” – ein programmatischer Titel und ein Highlight dieses Buchs.

Kapitelweise werden einige Klassiker wie “Trans-Amerika” von Tom McNab oder “Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede” von Haruki Murakami vorgestellt. Appetithäppchen, die oft genug Heißhunger auf das ganze Buch machen. Aber vielleicht taugt die Lektüre acht Tage vor meinem Marathon trotzdem auch ein wenig als Ratgeber: Ich werde Respekt, aber keine Angst vor den 42.195 Metern haben. Ich werde mich vor allem auf den Lauf mindestens so sehr freuen wie auf jede lockere Runde zu Hause. Ich werde mir nicht krampfhaft einreden, dass ich unbedingt unter x:xx Stunden finishen muss, aber ich werde alles geben und noch ein bisschen mehr.

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3 Kommentare

  1. Frau Mohr

    Na, bei deiner Erfahrung brauchst du doch eigentlich eh keine Ratgeber mehr, wie mir scheint. Wir eher Zeit für den “Saffti-Marathonguide” ;)

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  2. Philipp

    Interessante Farbe :) , hm leider gibt es das nicht als digitale Version.
    Gruß
    Philipp

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  3. Isa

    Hallo, ich bin erst kürzlich auf deinen Blog gestoßen.
    Sehr interessant und vor allem neuer Lesestoff :).
    Ich glaube, ziehe ich mir das Buch vor Berlin im Herbst mal rein. Das Cover des Buches wirkt für mich bissl 90er. Schon fast wieder cool. ;)
    Beste Grüße,
    Isa, der Laufspatz

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