Echte, Alte, Mo, Sex

laufen

Hach, schon wieder eine neue Laufzeitschrift! Gut, so neu ist “Laufen.de” auch wieder nicht. Was einmal als Internetauftritt in Zusammenarbeit mit dem DLV daherkam, gibt es jetzt zudem ganz altmodisch auf richtigem Papier. Eine Ausgabe erhielt ich gratis zur Aufnahme in den Finisher Club. Wie im Fluge, man verzeih’ mir dieses schiefe Bild, verging so eine Zugfahrt von Göttingen nach Lüneburg. Einiges gefiel mir richtig gut. Und anderes, was mich richtig auf die Palme brachte.

Die Pluspunkte:

Echte Läuferinnen und Läufer: Die Dame auf dem Titel ist definitiv kein Sport-Model, sondern eine echte Marathonläuferin mit einer beneidenswerten Bestzeit von 2:47. Auch im Innenteil präsentieren ganz normale Menschen die aktuelle Laufmode oder Kräftigungs-Übungen.

Das Layout: Gezeichnete Portraits, dezent eingesetzte Grafiken – das alles setzt sich wohltuend ab von einigen allzu quietschig wirkenden Mitbewerbern. Der Webauftritt von laufen.de erscheint übrigens in einem ganz ähnlichen Gewand.

Die Experten: Hier erklärt zum Beispiel Jan Fitschen, was er vom zurzeit so angesagten hochintensiven Training hält – nicht so viel… Carsten Eich, deutscher Halbmarathon-Rekordhalter, erzählt anhand einiger Pläne, worauf es im Training für den Halben ankommt. Kompetenz ist also am Start.

Die Kuriosa: Geschichten, die man nicht unbedingt erwartet. Über die Hash House Harriers etwa, eine feucht-fröhliche Lauftruppe aus Berlin. Über Laufhelden im Alter von 66 bis 92 Jahren. Oder über Franziska van Almsick, die erzählt, warum sie jetzt viel lieber läuft als während ihrer Schwimmkarriere – ich kann’s nachvollziehen.

Frau Schmitt: Ihre Kolumne ziert jede Zeitschrift!

Die Minuspunkte:

Der Laufschuh-Test: Fünf Modelle erhalten jeweils fünfmal fünf Sterne. Toll. Warum heißt diese Rubrik aber “Neue Laufschuhe auf dem Prüfstand” und nicht “Dreiste PR für unsere potenziellen Anzeigenkunden”?

Mo Farah: Drei Fragen zu den Doping-Gerüchten um Trainer Salazar, die er nicht wirklich beantwortet, danach eine unverbindliche Plauderei. Aber Hauptsache: “Hey, wir haben ein Interview mit Mo Farah.” Und was sagt er? “Ach, ist doch egal. Wir haben Mo!”

Warum Läufer besseren Sex haben: Für die Zielgruppe von “Men’s Health” bis “Cosmopolitan”? Die Story ist dann doch recht brav und hat in etwa einen Erkenntniswert wie: Warum Raucher häufiger husten.

Fazit:

Durchaus eine Alternative zu “Runner’s World”, zumal “laufen.de” insgesamt nicht so marktschreierisch (“x Kilo in y Wochen nur durch ein ganz lockeres Läufchen weg” oder “Das wird ihr bestes Rennen”) wirkt. Nervtötend ist die bisweilen allzu bemüht jugendliche Sprache. Und was auch immer an neuen Produkten vom Schuh bis zum ultramodernen Laufband erscheint, wird in der Regel kritiklos abgefeiert. Werde ich jemals eine Zeitschrift finden, die mich zu einem besseren, schnelleren und gesünderen Läufer macht? Oder muss ich sie mir doch selbst basteln? Die Nullnummer von Nicht noch ein Laufmagazin ist ja bereits fertig!

1 Kommentar

  1. Michael

    Ich habe mir nun zwei Ausgaben gekauft und dabei wird es wohl vorerst auch bleiben. Das Layout gefällt mir sehr gut. Die Auswahl der Berichte auch. Ansonsten muss ich Dir in allen Minuspunkten zustimmen, was auch der Grund dafür ist, dass ich mir keine weitere Ausgabe kaufen werde.

    Ich hoffe, dass in sich da in der Zukunft noch einiges tut.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>