Jetzt geht wieder alles von vorne los

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Die erste Woche einer Vorbereitung auf einen Marathon ist doch in aller Regel die schönste. Voller Euphorie und guter Vorsätze spule ich die ersten vier Einheiten ab, immer das wundervolle Bild vom Zieleinlauf in Valencia im Blick. Noch sind die Intervalle erträglich, noch die langen Läufe nicht allzu lang – 22,7 Kilometer in meinem Fall. Doch schon bald wird das Wetter schlechter, die Knochen werden müder und das Programm wird anspruchsvoller. Und die Sinnfrage drängt sich auf: Warum tu ich mir das bloß an?

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Ja, warum? Wenn es nur um Gesundheit und Fitness gehen würde, dann müssten eigentlich dreimal zehn Kilometer pro Woche reichen. Ein bisschen Ehrgeiz spielt sicher mit, auch wenn ich meine Bestzeit wohl nur noch mit gigantischem Aufwand unterbieten könnte. Das Erlebnis Marathon? Toll – drei Monate Schinderei für dreieinhalb Stunden Erlebnis, das kommt mir auch nicht unbedingt sehr ökonomisch vor. Aber was ist es dann?

Ich bereite mich also auf meinen elften Marathon vor und merke, wie sich die Motivation im Laufe der Jahre ändert:

Der Erste: Hauptsache ankommen! Und wenn man sich zwischendurch auch mal eine halbe Stunde ausruhen muss.

Der Zweite bis Fünfte: Schallmauern unterbieten. Unter 3:50 laufen (hat beim Zweiten geklappt), unter 3:40 (beim Vierten), unter 3:30 (beim Fünften).

Der Sechste bis Achte: Auf der wilden Jagd nach einer neuen Bestzeit. Hat beim Sechsten noch knapp geklappt (19 Sekunden!), ging beim Siebten ein bisschen schief und beim Achten total in die Hose.

Der Neunte und Zehnte: Den Spaß wiederfinden. Mal betont locker beginnen und bis ins Ziel ohne Pause durchlaufen (der Neunte), mal doch wieder zu schnell beginnen und Krämpfe bekommen (der Zehnte). Am Ende kommt lustigerweise fast exakt die gleiche Zeit heraus.

 

Und der Elfte ist wieder einmal ein Neubeginn. Zwei, drei Jahre hat mich die Beinmuskulatur zunehmend getriezt. Da zwickte und zwackte es in regelmäßigen Abständen immer dann, wenn ich mal richtig Gas geben wollte – absoluter “Höhepunkt” war der Bremen-Marathon vor einem Jahr, als ich knappe vier Kilometer vor dem Ziel aus dem Weserstadion mit Krämpfen links und rechts raushumpelte und nicht mehr wusste, wie ich es noch den Deich hochschaffen sollte. Das hätte sehr gut auch mein letzter Marathon sein können. Auf solche Erlebnisse kann ich gern verzichten.

Mittlerweile habe ich einiges für die müden Beine getan, nachdem ich meinen Frühjahrsmarathon in diesem Jahr wegen hartnäckiger Probleme vor allem mit dem rechten Fuß endgültig gestrichen habe: Faszientraining, Krankengymnastik und eine mehrmonatige Wettkampfpause. Ob’s etwas gebracht hat, werde ich wohl erst am 19. November in Valencia wissen. Ein Ort, den ich mir nicht für den elften Marathon ausgesucht habe, sondern der sich mich über einige wundersame Zufälle ausgesucht hat. Und mein Vorbereitungsplan steht mittlerweile auch:

17. September: Volkslauf Adendorf – 18,6 fiese Kilometer kreuz und quer zwischen Adendorf und dem Kanal. Immer ein Test auch für die Willenskraft.

3. Oktober: Volkslauf SV Traisa – der angeblich schönste Verein der Welt gleich hinter Darmstadt. Hier belasse ich es bei 11 Kilometern, die sind schon bergig genug.

22. Oktober: Teuto-Lauf Lengerich – 29 bergige Kilometer bietet der kleine Bruder des Hermannslaufs. Generalprobe für den Marathon: Auf einen Landschaftslauf habe ich im Augenblick deutlich mehr Lust als auf einen schnöden Halbmarathon.

5. November: Herbstlauf Westergellersen – ein letzter kleiner Formtest, auch nicht ganz flach.

Vor allem hoffe ich doch, dass ich bei den normalen Trainingseinheiten weiter so viel Spaß haben werde wie in der ersten Woche und ich mir die Sinnfrage nicht mehr so oft stellen muss. Schon gar nicht, wenn ich das Bild des grandiosen Zieleinlaufs in Valencia vor Augen habe. Noch 77 Tage! Im Augenblick zumindest mache ich mir keine Gedanken um meine Motivation.

1 Kommentar

  1. Carsten

    Hi Andreas,

    ich wünsche dir, dass du den Spass nicht verlierst. Allerdings kann ich deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Auch ich habe dieses Jahr nach dem Sinn für den vielen Sport gesucht. Gefunden habe ich ihn nicht, aber ich habe mich für meine erste Langdistanz im nächsten Jahr angemeldet. Denn eins ist mir bewusst geworden, ohne Ziel ist die Menge an Sport nicht durchzustehen. Ich hoffe, dir geht es wie mir. Denn mit dem Ziel vor Augen, macht auch der Sport einfach wieder Sinn.

    Gruß Carsten

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