Waffeltüten statt Ostereier

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Paasjogging in Olmen – übersetzt soll das eigentlich eine lockere Runde zu Ostern tief in der belgischen Provinz heißen. Doch was geht schon locker, wenn die Sonne brennt, das Thermometer Richtung 30 Grad im nicht vorhandenen Schatten marschiert und mit mir mal wieder alle Gäule durchgehen? Ein Rückblick auf meinen Ostermontag 2011:

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Olmen liegt knapp auf halber Strecke zwischen unserem Ferienhäuschen in Kinrooi und Antwerpen, was zirka 98 Prozent von euch sicher überhaupt nichts sagen wird. Egal, wer auch immer zufällig über Ostern mal in Olmen mit Laufklamotten vorbeiguckt, kann ganz spontan beim Paasjogging mitmachen, der vom OVC, einem Volleyball-Club, ausgerichtet wird. Der Personalausweis reicht für die Anmeldung – dann darf man sich entscheiden, ob man sich eine, zwei, drei, vier oder fünf Runden à knapp vier Kilometern zumuten mag.

Ich entschied mich mutig für drei und bewunderte das Gewusel um mich herum – die Kinder schickte man schon vorher auf ihre Läufe. Ansonsten um mich herum drathige Alte, rundlichere Junge, viel Jahrgangs-Mittelklasse und ein ausbaufähiger Frauenanteil. Ein Trubel fast wie bei deutschen Volksläufen. Mit dem kleinen Unterschied, dass fast alle Teilnehmer ein Vereins-Shirt trugen, ich also wunderbar gucken konnte, wer da aus Balen, wer aus Hasselt oder wer aus Geel kam. Ich hätte den Preis für die längste Anreise wohl schon allein für die Anfahrt vom gut 50 Kilometer entfernten Kinrooi gewonnen…

Los ging’s. Die Schnellsten preschten ungeachtet der Nachmittagshitze wie die Wilden los und wurden nie wieder gesehen, die Langsamsten sollte selbst ich überrunden – ein Leistungsgefälle also wie bei deutschen Volksläufen. Der Unterschied: Hier fand sich tatsächlich Publikum ein! Das halbe Dorf feuerte uns bei Start und Ziel an, das andere halbe stand auf der Strecke. Und die dritte Hälfte lief mit. Stimmung! Ich heftete mich an eine Gruppe, freute mich der Tatsache, dass der Kurs flach war wie der Spannungsbogen bei einem Derrick-Krimi.

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Auf der dritten Runde machte ich allmählich aber doch ein bisschen schlapp und konnte den allzu ehrgeizig eingeschlagenen 4:30er-Schnitt nicht mehr halten. Einige Anlieger hatten dankenswerterweise ihre Gartenberegner auf die Straße ausgerichtet oder boten gleich Wasserschläuche bereit – noch nie habe ich die Belgier so geliebt. Nach meiner dritten Runde durfte ich Richtung Kirche und Ziel abbbiegen, während beschämend viele der Einheimischen sich noch locker auf die vierte oder fünfte Runde begaben.

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Egal, im Ziel gab’s eine große Tüte belgischer Waffeln, ordentlich Getränke und Orangenspalten. Ein fein angezogener Herr stürmte mit Mikrofon zielgerichtet auf mich zu. Ich verstand nur mooi und Duitser, nickte artig, bekam noch mehr Waffeln in die Hand gedrückt, erzählte etwas von einem lekker loopje und war damit auch schon wieder entlassen. Mit einem dicken Kalorienpakat, das gut auch für fünf Runden gereicht hätte.

Fotos: OVC

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