Wie reizend

antwerp

Hat sich die ganze Welt gegen mich verschworen? Die Sonne lacht, die Vöglein zwitschern, der Wald ist wieder voller Läufer – nur ich muss meine Füße weiter ruhig halten. Erstmals in meinem Leben gehe ich zum Physiotherapeuten – und erstmals musste ich eine Marathon-Vorbereitung abbrechen. Schuld ist eine simple, aber hartnäckige Sehnenreizung im rechten Fuß. Ich werde sie wohl überleben. Ob ich danach aber noch der gleiche Läufer bin wie vorher, wage ich schwer zu bezweifeln.

Es ist ja wirklich gemein: Kaum habe ich mich für einen tollen Marathon am 23. April entschieden, ein Zimmerchen in Antwerpen gebucht und einen Flandern-Reiseführer ausgeliehen, streikt der Fuß. Eine Runde im falschen Schuhwerk, etwa zu fest geschnürt auf etwas zu matschigem Hintergrund – das hat offenbar gereicht. Nach zwei Wochen Trainingspause, Anti-Entzündungssalbe und Wickelei mit einer elastischer Binde ist gar nichts passiert. Oder doch: Inzwischen sieht der Fußrücken aus wie ein Streuselkuchen, weil ich offenbar allergisch gegen die Salbe bin.

Also doch zum Doc – und der schickt mich zum Physio. Da bekomme ich erklärt: Meine Muskulatur im hinteren Oberschenkel und leider auch im Hintern ist verkürzt, hätte häufiger mal gedehnt werden müssen. Und Faszientraining kann manchmal auch Wunder vollbringen, durfte ich mir anhören. Ich habe kapiert. Die Reizung wird irgendwann abgeklungen sein, aber die Ursachen sind damit längst noch nicht beseitigt. Da werde ich wohl noch mehr machen müssen als nur ein paar Stunden Pilates.

Der Marathon am 23. April ist längst gestrichen. Meinen Urlaub habe ich mittlerweile etwas nach hinten verlegt – vielleicht klappt das mit einem Marathon am 7. Mai? Plan B ist jetzt aber auch geknickt. Falls ich überhaupt rechtzeitig wieder fit werde – will ich dann unbedingt mir den Stress geben, in wenigen Wochen wieder auf den Marathon-Mode umzuschalten, und Angst haben, dass ich mir den Fuß vielleicht endgültig ruiniere? Nein, das will ich nicht. Und daher sind jetzt sämtliche Wettkämpfe auch im April aus meinem Tourneekalender gestrichen.

Und was ist, wenn meine Füße das Marathon-Training auf Dauer nicht mehr mitmachen? Ich will ja noch so viele Strecken erobern – zehn bis fünfzehn Marathon-Orte fallen mir spontan ein. Leider ist es aber nicht selbstverständlich, jedes Jahr einen oder zwei laufen zu können. Also genieße ich jeden Marathon, den ich noch schaffe, jetzt erst recht. Und wenn es gar nicht mehr geht, genieße ich halt die Zeit, die ich zusätzlich frei habe.

Foto: sport.be / Marathon Antwerpen

 

 

 

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