10. Juli 2020

Einsam im Wald

18 Tage noch bis zum Marathon. Ein langer Lauf noch, dann Tapering, Regeneration für den großen Tag. So war das mal geplant. Bis Corona kam und unsere Wettkämpfe zerschredderte. Alles Panikmache? Das behauptet hoffentlich jetzt niemand mehr. Und wir alle können uns jetzt Gedanken machen. Warum laufen wir eigentlich? Wegen der tollen Wettkämpfe, wegen der Bestzeiten und Topplätze? Oder einfach nur, weil es, allein oder mit Gleichgesinnten, Spaß macht? I

Neumühlen – fast mehr Verkehrsschilder als Einwohner an dieser Stelle.

 

2017 ist ein Marathon-Traum schon einmal kurzfristig geplatzt. Ich wollte in Valencia starten, drei Tage vorher wurde mein Flug gestrichen – und es gab keinen Ersatz. Der Marathon Deutsche Weinstraße ist wenigstens schon drei Wochen vor dem geplanten Termin abgesagt worden. Nach einem längeren Eiertanz – egal. Kein Veranstalter hat wohl jemals eine solche Situation erlebt. Als die Absage endlich offiziell verkündet wurde, war ich fast schon erleichtert, weil ich nichts anderes mehr erwartet hatte.

Ich hatte gerade meinen vorletzten Dreißiger geschafft, der nun wohl zu meinem vorerst letzten geworden ist. Meine Laufgruppen meide ich zurzeit auch, so sehr das schmerzt. Vor allem aus Rücksicht zu meiner Mitbewohnerin, die gerade eine schwere Fußoperation hinter sich gebracht hat. Aber auch, weil ich so viele soziale Kontakte wie nur möglich vermeiden will. Auch, wenn es weh tut. Ansonsten gilt für mich das Motto: Jeder sollte für sich (und nicht für andere) entscheiden, auf welche Sozialkontakte er nicht verzichten mag.

Ansteckungsgefahr gleich Null. In den Wäldern rund um Rullstorf ist nicht gerade die Hölle los.

 

Nun lerne ich die Wälder rund um Rullstorf noch etwas genauer kennen. Jetzt laufe ich vielleicht zehn Kilometer oder zwölf, das aber regelmäßig. Nicht als Training, nicht mit Freunden, einfach nur so. Und es ist jedes Mal, gerade in Zeiten des sich anbahnenden Frühlings, ein Höhepunkt des Tages für mich. Es ist einsam im Wald. Meistens treffe ich pro Runde ein, zwei Spaziergänger, vielleicht mal Herrchen oder Frauchen mit Hund. So lässt es sich aushalten. Nicht für alle Ewigkeiten, aber sicher doch für einige Wochen, vielleicht Monate.

Und meine Marathonpläne? Fragt mich an dem Tag, an dem 15 Minuten lang in der Tagesschau kein einziges Mal das Wort Corona fällt.

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