Gesund geht auch schnell

Klar doch, theoretisch wissen wir alle, wie wir uns gesund ernähren können. Leider sieht die Praxis doch wieder anders aus: keine Lust auf Gemüse, keine Zeit zum Kochen – also packen wir uns irgendeinen Müll in die Figur und wundern uns, warum wir so müde sind. Dem „Schnitzelkoma“ und allen möglichen anderen Irrwegen der modernen Ernährung sagt Sarah Tschernigow den Kampf an. Nach dem Motto: Gut und gesund essen muss nicht kompliziert und nicht teuer sein.

Die Autorin hat wenig Zeit, ist häufig unterwegs und eigentlich auch keine Lust, großartig zu kochen. Eigentlich ideale Bedingungen für eine Fast-Food-Karriere. Wie sie dieser Falle entkommen ist, liest sich aber höchst amüsant. Sarah Tschernigow hat überhaupt keine Lust auf Dogmas, auf Low Carb, Paleo-Diäten und ähnliches. Sie hat nur zwei Prinzipien. Unkompliziert soll das Essen sein. Und möglichst clean. Also nicht so wie der Zitronenkuchen, dessen Zutaten sie fein säuberlich aufzählt – und damit eine halbe Seite füllt.

„Unterscheide gute von schlechten Lebensmitteln“, so nennt sie eines der wichtigsten Kapitel. Da hilft ein Blick auf die Zutatenliste oder auf die Nährwerttabelle, um zum Beispiel die Zuckerfalle zu umgehen. Sie stellt einfache Regeln auf. Lieber Vollkornbrot als Brötchen, lieber Reis als Nudeln, lieber Kartoffeln als Kroketten. Und sie wirbt unverdrossen für Gemüse. Nicht für zwei einsame Brokkoliröschen als Garnitur zu einem Steak, sondern als Hauptbestandteil eines jeden Essens.

Nun müssen wir alle nur noch unabhängig werden von all den Leckereien, die es „auf die Hand“ gibt, vom belegten Brötchen in der Bäckerei mit dick Butter, Remoulade und fettem Käse bis zum süßen Teilchen, mit dem wir uns gern zwischendurch belohnen, am besten noch mit einem ordentlich gezuckerten Latte macchiato.

Sarah Tschernigow will diesem ganzen Wahnsinn mit „Mealprep“ vorbeugen, mit der Vorbereitung von Essen für unterwegs. Das kann auch mal nur ein hart gekochtes Ei in der Clutch sein, vorgekochtes Essen, ein paar gesund belegte Brote oder Rohkost wie Obst und Gemüse. Nichts wirklich Aufregendes.

Aber es kommt eben darauf an, etwas parat zu haben, wenn der kleine oder auch große Hunger mal kommt. Das ist für mich, der mit diversen Allergien und Unverträglichkeiten gesegnet ist, ohnehin angesagt. Wie das aber auch immer gelingen kann, erklärt sie ausführlich und praxisnah.

Eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten kann aber nicht wirklich gelingen, wenn man sich nicht vergegenwärtigen kann, warum man in gewissen Situationen immer wieder sündigt. Was da für ein Programm im Kopf abläuft, erklärt die Autorin. Ebenso wie Wege, sich umzuprogrammieren. Und das alles nie dogmatisch. Äußerst nett ist doch ihr Tipp, es langsam angehen zu lassen und sich erst eine Essenssünde nach der anderen vorzunehmen. Wer zu viel auf einmal will, erklärt sie, ist auch viel schneller frustriert.

Sarah Tschernigow wendet sich in ihrer Schreibweise eher an ihre Generation der Leute um die 30, ihre Anregungen gelten aber für jedes Lebensalter. Einiges ist mit Vorsicht zu genießen, etwa die Schwärmerei für Kokosfett, das schwer in Mode, allerdings wegen seines extrem hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren auch umstritten ist. Gerade für Leserinnen und Leser, die sich bisher aber noch keinen großen Kopf um ihr Essen gemacht haben und es auch weiterhin nicht machen wollen, ist dieses Buch perfekt.

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