Muss ja

Eigentlich wollte ich ja gleich nach dem Frühstück in die Laufschuhe springen. Aber erst einmal staubsauge ich. Erledige den Abwasch. Putze ich das Bad. Moment mal! Bevor ich jetzt auch noch anfange, meine Bücher in den Regalen nach dem Alphabet zu sortieren, halte ich fest: Offenbar will sich da jemand vor einer unangenehmen Laufrunde drücken. Vor dem ersten langen Lauf in der Marathonvorbereitung. Muss ja sein, auch wenn das nicht immer Spaß macht.

Als wenn Christo da wäre – das Schiffshebewerk wird zurzeit kräftig ausgebaut.

 

Langer Lauf, nun ja. Seit gut einem Jahr habe ich kein einziges Mal 20 Kilometer oder mehr in einem Stück absolviert. Traurig für jemanden, der von 2008 bis 2016 mindestens einen Marathon pro Jahr gelaufen ist. Aber 2017? Im Frühjahr kam eine Verletzung dazwischen, im Herbst ein Flugausfall. 2018? Vergessen wir’s. 2019 will ich’s aber wieder unbedingt versuchen. Die Anmeldung für Mainz ist seit Silvester raus.

Exakt drei Monate vor dem Wettkampf sollte ich vielleicht doch den ersten Zwanziger wagen. Und ich such‘ mir bewusst die wohl langweiligste meiner vielen Runden aus. Treidelweg bis Bardowick, Radweg über Adendorf bis zum Schiffshebewerk, dann kurz am Kanal und über das kleine Wäldchen am Ebensberg zurück. Keinen Meter, den ich nicht schon hundertmal gesehen habe. Und das alles dazu noch im Februar bei Schmuddelwetter ohne Musik. Nicht wird mich vom reinen Laufen ablenken.

Nach zweijähriger Abstinenz wird die Rückkehr in den Marathon-Modus nicht ganz einfach – zumal ich mich genau erinnere, was für ein Krampf im wahrsten Sinne des Wortes mein letzter Versuch in Bremen war. Nun habe ich seitdem Fußgelenke, Waden und Oberschenkel mit Faszientraining und sonstigen Verrenkungen gut gestählt. Von Versuchen, meiner Bestzeit nahe zu kommen, habe ich mich eh schon lange verabschiedet. Einmal locker durchkommen – das wär’s doch.

Die Treppen des Schreckens.

Bis zum Schiffshebewerk läuft’s rund, dann komme ich auf die irrsinnige Idee, zum ersten Mal in meinem Leben die Treppen zur Aussichtsplattform hochzuhasten. Kurze Fotopause, wieder runter. Und nun spare ich mir doch die öden Kilometer am Kanal, nehme die in etwa gleich lange, aber längst nicht so langweilige Strecke über Adendorf.

Kurz vorm Ziel hole ich doch mal mein Handy raus, um mir den Kilometerstand anzuschauen. 19,0 – im gleichen Moment spüre ich eine große Müdigkeit in den Knochen. Ja, staubsaugen, abwaschen und putzen mag vielleicht noch langweiliger sein, ist aber wenigstens nicht ganz so anstrengend.

20,5 Kilometer schaffe ich. Ging doch. Blöd nur, dass ich vor Mainz noch ein paar dieser und noch deutlich längerer Runden schaffen muss. Muss ja!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.