Heipo hart für den Popo

Amelinghausen hat seine erste dunkelhäutige Heidekönigin. Und ich schaffe es endlich einmal wieder, beim Heipo zu starten. Zwei Sensationen an einem Tag! Heipo steht für „Internationaler Lauf um den Pokal der Heidekönigin“, vor allem steht Heipo aber für eine richtig fiese Strecke bei höllischer Sommerhitze. Aber 2019 ist doch einiges anders als sonst.

Auf nichts ist Verlass in diesem Jahr. Die bisherigen Heideköniginnen glänzten meist durch Blondheit – ich erwähne nur Jenny Elvers. Und die bisherigen Ausgaben des Heipo meist durch Temperaturen deutlich jenseits der 30 Grad. Wer auch immer noch den Klimawandel leugnen mag, kann sich mal die Entwicklung des Mitte-August-Wetters in Amelinghausen anschauen. Einige Male habe ich wegen der Hitze gekniffen, manchmal auch, weil ich einfach arbeiten musste. Diesmal aber passt alles.

Ich bereite mich wirklich optimal vor. Am Nachmittag vorm Lauf mache ich mich noch ein klitzekleines bisschen in den südniedersächsischen Bergen nahe der Heimat meiner Liebsten warm. Was mich geritten hat, unbedingt noch eine Runde Richtung Gaußturm einzulegen, kann ich nicht beschreiben. Am Ende steht ein „lockerer“ Zehner mit gut 250 Höhenmetern zu Buche. Da können mich die Hügelchen in Amelinghausen doch nicht mehr schocken.

Geschockt bin ich am Sonntag aber vom Verkehr auf der A7. Von Göttingen bis Rhüden wähle ich altvertraute Bundesstraßen, dann wage ich mich auf die Autobahn bis kurz hinter Hannover, schließlich treiben mich neue Warnungen vor Megastaus wieder über die Dörfer. Ich lerne den Landkreis Celle mit so schönen Ortschaften wie Sülze oder Grauen gründlich kennen und steige nach gut dreieinhalb Stunden Fahrerei endlich im verregneten Amelinghausen aus. Allein die Zufahrt zum Parkplatz hätte man sofort in jeden Tough-Mudder-Wettbewerb integrieren können. Das kann ja heiter werden.

Rechtzeitig vorm Start geht der norddeutsche Landregen aber in ein etwas läuferfreundlicheres Nieseln über. Auf den ersten dreieinhalb Kilometern geht es vorwiegend bergauf. Dann aber bemerke ich den Effekt, den ein Nicht-Läufer gar nicht glauben mag. Bergab ist manchmal schwieriger als bergauf. Vor allem, wenn es in den Oberschenkeln eh schon zieht und wenn sich ein leichter Muskelkater im Popo bemerkbar macht.

Kurzum, ich quäle mich mehr schlecht als recht über die nächsten Kilometer, die doch eigentlich wunderschöne Aussichten von der Heidelandschaft und vom Lopausee liefern sollten. Die letzten 700 Meter durch den Ort, an vielen hundert Besuchern des Festumzugs vorbei, versuche ich aber doch zu genießen. Wie beim Marathon – mein Motto dort: Egal, wie schlecht es einem auf den letzten Metern gehen sollte, da wird sich noch einmal zusammengerissen.

Im Ziel lasse ich mich aber doch erst einmal auf die Bank plumpsen, um mal richtig durchzuschnaufen. Wie anstrengend können doch an sich lächerliche 9,1 Kilometer sein! Von daher ist alles doch wieder wie üblich beim Heipo in Amelinghausen.

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