24. Oktober 2020

Im nächsten Jahr wird alles ganz anders

Das alte Laufjahr riecht schon etwas verbraucht und ranzig. Seitdem ich Ende September beim Halbmarathon in Hamburg eingegangen bin wie eine Primel, trudle ich eigentlich nur noch aus und formuliere Ziele für das kommende Jahr. Dann will ich natürlich alles besser machen: Bestzeiten pulverisieren, länger denn je rennen, keinen noch so hohen Berg auslassen, diverse Laufklassiker kennen lernen, zig Kilo abnehmen, nie das Ausgleichstraining vergessen. Und das alles natürlich ohne Stress. Wie soll ich das alles nur hinbekommen?

212 Seiten, 3400 Termine - wo mal überall laufen könnte...
212 Seiten, 3400 Termine – wo mal überall laufen könnte…

Neue Ziele braucht der Mann. Und ich stehe nicht allein da. Am Sonntag spulten wir unsere 20 Kilometer im Tiergarten ab, mehr vor sich hin schleppend als sprintend. „Könnt ihr euch jetzt vorstellen, noch eine Runde zu laufen?“, fragte ich schwer atmend in die Runde. Nee, das konnte sich niemand. Obwohl viele von uns sich sehr bald wieder schon um acht Uhr treffen, um die Dreißiger für den Frühjahrs-Marathon anzugehen. Wie ich sie liebe! Und wie ich den aktuellen Tipp von Greif liebe, am besten schon jetzt im Dezember drei 35er zu laufen, damit man es hinter sich hat.

Aber ein nahender Marathon allein mag einen Läufer beim ersten oder auch dritten Mal in Aufregung versetzen wie ein Flug zum Mars. Beim achten Mal kommt unwillkürlich eine „Na, dann wollen wir mal wieder“-Stimmung auf. Routine. die kleine Schwester von gähnender Langeweile.

Ich bin ja nach wie vor ein Freund des gedruckten Wortes. Und deshalb beginnt für mich die Vorfreude auf das neue Jahr erst richtig, wenn ich zum Beispiel den DLV-Kalender in der Hand halte, darin blättere und tapfer ignoriere, dass ich wohl noch nie jenseits der Apotheken-Rundschau so viel Reklame für alle möglichen leistungs- oder gesundheitsfördernde Mittelchen gesehen habe. Mehr als 3400 Gelegenheiten vom Neujahrslauf in Leipzig bis zum Silvesterlauf in Bad Staffelstein sind hier notiert. In diesem Jahr habe ich mir gerade zwölfmal eine Startnummer auf den Bauch gepappt, zweimal davon in den Niederlanden, also jenseits des DLV-Reichs. Ist halt immer wieder etwas dazwischengekommen. Schön blöd, wenn man ständig sonntags arbeiten muss.

2015 aber wird alles ganz anders. Ich kämpfe entschieden gegen den Satz: „Da wollte ich eigentlich schon immer mal laufen.“ Diesmal versuche ich es einfach. Ich habe wie immer vier, fünf verrückte Ziele im Blick. Wenn ich zwei davon in den nächsten zwölf Monaten nicht aus den Augen verloren habe, dann ist es immer noch ein erfülltes Laufjahr gewesen.

Ein paar weitere Motivations-Tricks verrate ich vielleicht auch noch. Einer verbirgt sich in dieser Holzkiste, die ich auf einem Flohmarkt in Doetinchem für 2 Euro gekauft habe, ohne damals zu wissen, was ich damit überhaupt anfangen soll. Jetzt weiß ich es aber!

Die geheimnisvolle Kiste - was wohl in ihr steckt?
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