Schnell und schmackhaft

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Wenn Aldi, Lidl & Co. Fitnessgeräte und Diät-Drinks wie wild anbieten, wenn wir uns vor lauter Fitness- und Abnehmstipps kaum noch retten können, dann ist definitiv Anfang Januar. Alle haben die Völlerei satt und wollen möglichst schnell wieder fit, schön und leicht werden. Alle? Wir Läufer lächeln doch müde angesichts der Tatsache, dass die gleichen Lebensmittelketten, die bis gestern bestens an unserer Mästung verdient haben, heute schon wieder nur das Beste für unsere Linie tun wollen. Doch dafür haben wir andere Macken: Und dabei geht es auch vor allem ums Essen.

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Wir kennen sie doch alle: die Wunderläufer, die sich mehr Gedanken über die richtige Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln machen als über ihr Training oder über ihre Lebensweise an sich. Die gestern auf Ackerschachtelhalm, heute auf Rote-Bete-Saft und morgen wahrscheinlich auf angebrannte Kartoffeln schwören, wenn ihnen nur irgendein Guru weismacht, dass dieses Zeug sie schnell und unverwundbar macht. Ich bin da von Grund auf skeptisch, halte wenig von diesen ganzen Zauberpulvern, -gels, -riegeln oder -getränken und gar nichts von Vitaminkuren oder all den achso gesunden Zusätzen in unserer Nahrung. Mit einer vernünftigen Ernährung müsste doch nicht nur der Normalmensch, sondern auch der Ausdauersportler alles zu sich nehmen können, was er braucht. Aber was ist vernünftig?

Lange Einleitung, kurzer Sinn: Ich bin über das Buch “Essen für Sieger!” gestolpert – der einzige Schwachpunkt an diesem absolut empfehlenswerten Werk ist der reißerische deutsche Titel. Im Original heißt es wesentlich treffender: “The Feed Zone Cookbook. Fast and Flavourful Food for Athletes”. Die Autoren Biju Thomas (gebürtiger Inder) und Allen Lim (gebürtiger Philippiner mit chinesischen Wurzeln) zeigen den Weg, wie Sportler sich mit Messer und Gabel einfach auf Training oder Wettkampf vorbereiten können.

Sie geben herrlich pragmatische Tipps, damit man schnell und unkompliziert seine Mahlzeiten zubereitet hat, auch wenn man zum Beispiel um Fertigprodukte einen großen Bogen machen sollte. Eine wichtige Empfehlung: “Kaufen Sie so oft wie möglich das echte Produkt, nicht den abgepackten, vorgekochten Ersatz.” Und sie plädieren auch dafür, das Essen möglichst vollständig zu verwerten – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Tipps für Resteessen.

Dieses Buch ist eindeutig kein Diät-Ratgeber – Fette und Kohlenhydrate werden reichlich konsumiert, weil sie der hart trainierende Sportler einfach braucht. In wenigen Zeilen aber werden Tipps zum Abnehmen gegeben, die 50 Jahre Brigitte-Diäten alt aussehen lassen. Ein bisschen hungrig ins Bett gehen, mehr schlafen, hin und wieder vorm Frühstück trainieren, Fettaufnahme beachten, viel trinken – so einfach ist das.

Herzstück des Buchs ist natürlich der ausführliche Rezepteteil von Frühstück bis Desserts. Ich habe schon ein paar Kostproben hinter mir: Es war durchgehend lecker, leicht zu kochen und vor allem abwechslungsreich – wenn Amerikaner mit asiatischen Wurzeln Rezepte mit Athleten entwickeln, dann kommt natürlich keine deutsche Hausmannskost heraus. Vegetarische und glutenfreie Rezepte sind reichlich vorhanden.

Hier gibt’s den Amazon-Link zum Buch. Guten Appetit!

PS: Im Blog Joshly Runs bin ich über die in diesem Zusammenhang auch sehr gut passende Formulierung “Clean Eating” gestolpert. Ihr Rat: “Vereinfacht kann man sich am Anfang an die Regel halten nichts zu essen, was einen Werbespot hat oder anderweitig Werbung macht. Damit hat man schon die meisten Fallen umgangen.” Das wird den Lebensmittelketten, die uns gestern mit Lebkuchen und heute mit Diät-Drinks traktieren, gar nicht gefallen. Aber wenn ich mir für 2014 einen guten Vorsatz fasse, dann doch gern diesen.

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