Von unten nach oben

euro

Ich zahle gern sechs Euro, um an einem Volkslauf teilzunehmen, weil ich weiß, wo das Geld landet. Alle Helfer, ob vom Verein, der Feuerwehr oder vom Roten Kreuz, haben ein Getränk und eine Bratwurst für ihren Einsatz allemal verdient. Vor allem die Kleinen sind stolz auf Urkunden und Medaillen. Die Zeitnahme muss ebenso finanziert werden wie die Werbung für den Lauf. Und wenn der Veranstalter ein bisschen Geld übrig behält, dann wiegt diese Summe all die ehrenamtlich geleistete Arbeit längst nicht auf.

Ich zahle aber ungern ab 2016 einen siebten Euro, der für den DLV reserviert ist. Was passiert denn mit diesem Geld? Der Verdacht bleibt: Hier will der Verband den anhaltenden Laufboom an der Basis ausnutzen, um den Spitzensport zu finanzieren. Wer permanent um Fördergelder und die Erfüllung von Medaillenquoten kämpfen muss, dem ist das Fortbestehen von einem kleinen Waldlauf in Posemuckel im Zweifelsfall egal. Der DLV erreicht damit, dass wir künftig mehr dafür zahlen, wenn wir uns gemeinsam mit anderen in der Natur fit halten. Werbung für den Sport sieht wirklich ganz anders aus.

Und hier mein Bericht zum gleichen Thema aus Lüneburger Sicht:

Der Finisher-Euro kommt, stößt aber nach wie vor in der Laufszene auf wenig Gegenliebe. Ab 1. Januar 2016 will der Deutsche Leichtathletik-Verband bei jeder Laufveranstaltung einen Euro pro erwachsenem Finisher kassieren. „Genehmigungsgebühren sind im gesamten organisierten Sport üblich und erforderlich, um die Infrastruktur des Sports zu finanzieren“, verteidigt DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop die Läufermaut, die trotz massiver Kritik der Basis vom Verbandsrat einstimmig genehmigt wurde.

„Für mich ist die Sache damit beschlossen und verkündet“, reagiert Wilhelm Stumpenhausen, Leiter der Volkslauf-Abteilung im MTV Treubund, deutet aber auch an, dass es noch manche „juristische Wortklauberei“ geben wird. Muss der MTV Treubund zum Beispiel auch für seine Teilnehmer am Silvesterlauf oder der Winterlaufserie, auf der keine Zeitmessung stattfindet, Gebühren zahlen? „Wo es kein Ziel gibt, kann es eigentlich auch keine Finisher geben“, meint Stumpenhausen.

Oder was ist mit Läufen kommerzieller Anbieter? „Noch haben wir nichts vom DLV gehört. Wenn das aber so kommt, müssen wir die Startgebühren auch um einen Euro erhöhen“, sagt Niels Teichmann, Organisator des Lüneburger Firmenlaufs. In jedem Fall will der Verband auch bei den großen Marathon-Veranstaltungen zur Kasse bitten, ob sie nun von Vereinen oder privat organisiert werden. Insgesamt rechnet der DLV pro Jahr mit einer Millionen-Einnahme.
Diesen Weg werden sicherlich auch alle Vereine gehen, die Volksläufe ausrichten. In der Regel wird dann der Start bei einem Lauf des SALAH-Cups sieben statt aktuell sechs Euro kosten, womit die Gebühren in der Region noch deutlich niedriger liegen als bei vielen Veranstaltungen in Hamburg, wo Startgelder in zweistelliger Höhe mittlerweile die Regel sind.

Unklar bleibt aber nach wie vor, wofür der DLV die zusätzlichen Einnahmen überhaupt verwenden will. Vom Verband genannte Gründe wie Durchführung von Terminbörsen, Laufkalender-Webseite, Streckenvermessung, Organisation von Lauftreffs oder Pflege von Bestenlisten überzeugen Stumpenhausen nicht so recht: „Kein einziger Lauf in unserem Landkreis ist amtlich vermessen. Und wenn jemand einen Lauf vermessen lassen will, dann muss er das auch bezahlen.“

Beitragsbild: ARD

1 Kommentar

  1. Das Pulsmesser

    Also dann gründe ich den Deutschen-Wald-Verein und verlange für jeden Sonntagsspaziergang einen Euro.
    An diesem Beispiel wird mir klar, dass eigentlich nur Veranstaltungen von Vereinen, die dem DLV angeschlossen sind, gebührenpflichtig werden können.
    Schlimm genug.

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