Müsste mal wieder auf die Waage

scharny

Mitte März – die große Sehnsucht nach dem Frühling. Mitte März – Termin für den Schiffshebewerk-Volkslauf in Scharnebeck, bei dem ich als Stammgast bisher nur drei Wetterlagen erlebt habe: kalt und trocken, kalt und nass, saukalt und glatt. Okay, manchmal ist es ein bisschen windig und manchmal so stürmisch, dass die Hälfte des Feldes in den Kanal gepustet wird. Diesmal entscheidet sich die Wetterfee für kalt und trocken. Und ich ziehe die kurze Hose an, damit wenigstens meine neuen Laufstrümpfe leuchten, wenn sich denn schon die Sonne nicht dazu aufraffen mag.

Zwei Vorsätze setze ich auf den 10,4 Kilometern tatsächlich um. Ich linse kein einziges Mal auf die Uhr. Und ich bewahre mir genügend Körner auf (von wem stammt eigentlich diese blöde Phrase mit den Körnern?), um auf den letzten zwei Kilometern nicht wie üblich nur noch den Zielstrich herbeizusehnen. Nach ungefähr vier Millionen vierten und fünften Plätzen in meiner Altersklasse freue ich mich diesmal über Rang zwei. Und ärgere ich fast sogar ein bisschen, denn der Sieger ist nicht einmal eine Minute schneller gewesen. Ob ich es vielleicht doch noch in diesem Leben schaffe, einmal irgendwo Erster zu werden? Immerhin bin ich auch noch nie Letzter geworden.

Käpt'n Blaustrumpf nicht auf, sondern nur am Kanal.  Foto: Michael Behns

Käpt’n Blaustrumpf nicht auf, sondern nur am Kanal. Foto: Michael Behns

Ein kleiner Einbruch wurmt mich aber doch. Zwischen Kilometer drei und fünf bietet Scharnebeck eine dieser fiesen Steigungen an, die harmlos wirken, sich aber über Eeeeewigkeiten dahinziehen. Ich ziehe mein Berg-Register: betont mit dem Vorfuß aufsetzen, kürzere Schritte machen, die Arme nicht vergessen. Aber alle anderen vor mir hauen einfach nach und nach ab. Gemein! Ich ahne, woran es liegen könnte. Warum wohl habe ich mich seit dem letzten Marathon, und der ist fast schon vier Monate her, nicht mehr auf die Waage getraut? Hätte ich nicht am Morgen das zusätzliche halbe Brötchen von meiner Liebsten annehmen sollen?

Ansonsten freu’ ich mich des Lebens und der neuen Lockerheit. Vor einem Jahr war ich doch 40 Sekunden schneller, allerdings auch um einiges kaputter ins Ziel gekommen. Damals stand ich mitten im Marathontraining, heute habe ich nur den 25-Kilometer-Drielandenloop über Ostern bei den Oranjes im Kopp. Und da ich noch nie einen offiziellen 25er gelaufen bin, könnte es da mit der Bestzeit vielleicht sogar klappen.

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