Nichts für Schmusejogger

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Es gibt wenige Tage vor einem Marathon kaum etwas Ernüchternderes, als in Peter Greifs Buch “Greif – for running life” nachzulesen, was man in den vergangenen Wochen versäumt hat. Was ich als intensive Vorbereitung angesehen habe, heißt beim Lauftrainer “Nur ein Notprogramm”. Keinen einzigen 35er mit Endbeschleunigung habe ich geschafft. Keinen 30er eine Woche vorm Marathon. “Garantiert nichts für 2-min-Eier” sind seine Pläne und damit auch sein Buch. Man liebt es oder hasst es. Ich kann mich noch nicht ganz entscheiden…

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Es ist eigentlich ein Wunder. Die ersten 19 Jahre meines Lebens habe ich in Seesen in einem durchaus sehr an Sport interessierten Umfeld verbracht. Nur Laufen ging komplett an mir vorbei – und damit die Tatsache, dass es in meinem kleinen Heimatort einen Haufen extrem starker Marathonläufer gab, die bis hin zu deutschen Meisterschaften große Erfolge feierten. Ihr Trainer: Peter Greif. Sein Versprechen: “Vom Freizeitjogger zum Erfolgsläufer”.

Greif gilt als Schleifer, als Mann der besonders harten Trainingspläne. Dabei ist sein Ansatz denkbar einfach: Wer das Optimale aus sich herausholen will, der muss auch etwas dafür tun, Trainingshäufigkeit, Umfänge und Intensität steigern. Das aber nicht kopflos. Sehr detailliert gibt Greif einen Acht-Wochen-Plan zur Marathon-Vorbereitung vor – und das für vier unterschiedliche Gruppen. Er stellt diesen Teil des Buchs kostenlos als Download zur Verfügung. Wem dieses Training und der wenig diplomatische Humor des Autors zusagt, dem wird sicher das komplette Buch gefallen.

Greif ist Quereinsteiger, kein Theoretiker, sondern ein Mann der Praxis. Aus seinem Buch spricht vor allem jahrzehntelange Erfahrung. Was schief gehen kann, ist bei seinen Schützlingen (oder auch mal bei ihm selbst) schief gegangen, herrliche Anekdoten kann er da präsentieren. Er spricht ausdrücklich nicht Profis an, sondern ehrgeizige Freizeitläufer. Ob die nun 10 km in 35 oder 55 Minuten rennen können – ihm kommt es auf die Einstellung an.

Aufbau eines Trainingsjahres, Wettkampftaktik, Ernährung, Laufen im Alter, Kraft der Psyche – einige wichtige Punkte, die Greif praxisorientiert abhandelt. Eine gut strukturierte Tippsammlung insbesondere für den Marathon hat er da zusammengestellt. Nach Rotterdam nehme ich vor allem die dringende Empfehlung mit, die ersten 15 Kilometer mit angezogener Handbremse zu laufen, weil laut Greif ein zu schneller Kilometer so viel Energie verbraucht wie fünf im angepassten Tempo: “Wenn du dann bei km 37 gehen musst, dann kannst du einmal prüfend zurückschauen, wo denn nun deine Kraft geblieben ist.” Okay, ich habe verstanden.

Wer sollte dieses Buch lesen? Leute, die für eine schnellere Marathon-Zeit morden würden. Oder zumindest unmögliche Dinge tun wie Intervalltraining, Endbeschleunigung oder fünf Kilo abnehmen.

Wer nicht? “Schmusejogger” (O-Ton Greif). Was sagt er zum Beispiel zu einer Halbmarathon-Zeit von 1:58? “So eine Zeit verzeihe ich nur Anfängern, Fetten, Alten und Kranken.” Wer diese Art von Humor nicht mag, der wird mit Greif definitiv nicht glücklich.

Statt auf Amazon, wo das Buch derzeit nicht lieferbar ist, verlinke ich in diesem Fall gern auf die Seite des Autors: http://www.greif.de/

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